Othmar Peter - Landschaften


 





 

Meine Malerei

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Landschaftsmalerei, zu der ich im Kunstunterricht des Lehrerseminars Zugang gefunden hatte. Schon von Beginn weg faszinierten mich die Lichtreflexe, Lichtspiele des Momentes, das vibrierende Beben in verschiedensten Landschaften, mit denen ich mich oft in thematischen Serien beschäftige. Waren es zu Beginn vor allem voralpine (etwa das Hochmoor von Rothenthurm) oder französische Landschaften, denen ich mich zuwandte, so sind es in den letzten Jahren vornehmlich südliche Motive, die mich faszinieren.

So etwa die Bildserien zur Landschaft südlich von Les Baux mit dem Versuch, das Grün der Landschaft in möglichst atmosphärischer Dichte auf die Leinwand zu bringen, den Rhythmus einer sich in die Ferne verlierenden Landschaft aufzunehmen und ihn mit jenem des eigenen Inneren zu verbinden. Idealerweise führt die bei der Verarbeitung solcher Impressionen angewendete Maltechnik zu einem dichten Netz von Farben und Strukturen, die sich aus der Distanz zu einem (neuen) Ganzen zusammenfügen.


Ein Motiv, das mich immer wieder anspricht sind Küstenlandschaften. Die durch das Zusammentreffen der Naturelemente erzeugte Intensität soll Antwort finden in malerischen Umsetzungen, die einmal die Auflösung, ein andermal ein kraftvolles Entgegensetzen bewirken sollen. Die grossformatigen Bilder entstehen meist in eintägigen Sitzungen. Die Arbeit wird in Acrylfarbe primavista grundskizziert und in einem zweiten Schritt in Oelfarbe weitergeführt. Im Atelier werden schliesslich die dem Bild Tiefe vermittelnden Lasuren gesetzt.

In den letzten Jahren gilt mein Interesse den vielfältigen Tessiner Landschaften, insbesondere faszinieren mich die intensive Vegetation, die verschlungenen Grünoasen und der Dialog von Stein und gewachsener Natur. Dabei sind verschiedene Serien entstanden: zum Gambarogno, zu Wolken, zu Gärten.


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«Wie oft habe ich in Paris im Mai des folgenden Jahres mir einen Apfelblütenzweig im Blumenladen gekauft und dann die ganze Nacht vor seinen Blüten gesessen…ich schaute sie an, liess sie unter der Lampe posieren – so lange, dass ich oft noch mit ihnen beschäftigt war, wenn schon die Morgenröte sie mit rosigen Hauch versah, den sie im selben Augenblick in Balbec haben mochten – und suchte sie kraft meiner Phantasie wieder an jenen Weg zurückzuversetzen, sie zu vervielfältigen, in dem vorbereiteten Rahmen auf die gerüstete Leinwand jener Obstgärten aufzutragen, an deren Zeichnung ich mich so gut erinnerte und die ich so gern hätte wiedersehen mögen, was eines Tages auch geschah, zu jenem Zeitpunkt, da der Frühling mit der entzückenden Raffiniertheit des Genies seine Farben auf ihren Kanevas stickt.»

Proust, M. (2004). Im Schatten junger Mädchenblüte. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 2 (Bd.1). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

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»Klingsor stand, nach Mitternacht, von einem Nachtgang heimgekehrt, auf dem schmalen Steinbalkon seines Arbeitszimmers. Unter ihm sank tief und schwindelnd der alte Terrassengarten hinab, ein tief durchschattetes Gewühl dichter Baumwipfel, Palmen, Zedern, Kastanien, Judasbaum, Blutbuche, Eukalyptus, durchklettert von Schlingpflanzen, Lianen, Glyzinen. Unter der Baumschwärze schimmerten blaßspiegelnd die großen blechernen Blätter der Sommermagnolien, riesige schneeweiße Blüten dazwischen halbgeschlossen, groß wie Menschenköpfe, bleich wie Mond und Elfenbein, von denen durchdringend und beschwingt ein inniger Zitronengeruch herüberkam. Aus unbestimmter Ferne her mit müden Schwingen kam Musik geflogen, vielleicht eine Gitarre, vielleicht ein Klavier, nicht zu unterscheiden. In den Geflügelhöfen schrie plötzlich ein Pfau auf, zwei-, dreimal, und durchriß die waldige Nacht mit dem kurzen, bösen und hölzernen Ton seiner gepeinigten Stimme, wie wenn das Leid aller Tierwelt ungeschlacht und schrill aus der Tiefe schelte. See, Berge und Himmel flossen in der Ferne ineinander.«

aus Hermann Hesse: Klingsors letzter Sommer.